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Coronavirus Sars-CoV-2 in Naturfreibädern

Liebe Naturfreibadbetreiber,
aus gegebenem Anlass möchten wir Sie/Euch nochmals auf den aktuellen Stand bezüglich der Coronavirus Situation im Bezug auf Naturfreibäder bringen.
Neben dem Umweltbundesamt (UBA), hat nun auch die Deutsche Gesellschaft für naturnahe Badegewässer (DGfnB) eine Stellungnahme bezüglich der Coronavirus Situation herausgegeben:

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/374/dokumente/stellung-nahme_uba_sars-co2_badebecken.pdf

https://www.dgfnb.de/aktuelles-termine/corona-virus-sars-cov-2-hilfestellung-bei-fragen.html

Im Fazit stellt das UBA fest:
Eine Übertragung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 erfolgt nach derzeitigem Wissensstand vor allem über den direkten Kontakt zwischen Personen oder kontaminierte Flächen. Die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung im Schwimmbad ist daher mit anderen Orten im öffentlichen Raum vergleichbar. Schwimm- und Badebeckenwasser wird in Deutschland entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik aufbereitet und desinfiziert. Bei Schwimmbädern, die normgerecht gebaut und betrieben werden kann davon ausgegangen werden, dass eine hygienisch einwandfreie Wasserbeschaffenheit erzielt wird und das Schwimm- und Badebeckenwasser gut gegen alle Viren, einschließlich Coronaviren, geschützt ist, wenn in denen die Wasseraufbereitung den allgemein anerkannten Regeln der Technik entspricht und bei denen insbesondere die Durchströmung, Aufbereitung und Betriebskontrolle normgerecht erfolgen.
Es ist jedoch darauf zu achten, dass die Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen im Schwimmbad strikt eingehalten werden.
Von Bädern mit biologischer Aufbereitung geht, verglichen mit konventionell aufbereiteten Bädern grundsätzlich ein höheres Infektionsrisiko aus, auf welches der Badegast vor Ort hingewiesen werden sollte.

Gemäß UBA besteht im Beckenwasser von Freibädern mit biologischer Wasseraufbereitung also ein Schutz vor Viren. Sollte die Bewertung des Corona Virus auch während der Badesaison noch dazu führen, dass Menschenansammlungen als gefährlich betrachtet werden, so wird wahrscheinlich das Zusammenkommen von vielen Menschen gefährlicher sein, als das Baden in biologisch aufbereitetem Wasser.

Hierzu schreibt die DGfnB:

Auch gibt es keine Hinweise darauf, dass das Virus im Wasser überhaupt überleben würde und falls doch, wie lange. Allerdings ist es ohnehin wesentlich wahrscheinlicher, dass eine Ansteckung schon auf dem Weg zum Becken oder im Becken durch andere Badegäste geschehen würde.

Es bleibt also abzuwarten, wie die Experten vom Robert Koch Institut die Situation weiter bewerten.

Um Sie/Euch als Betreiber in der Zwischenzeit darin zu unterstützen, Naturfreibäder im Bezug auf Viren besser zu verstehen, finden sich folgend noch ein paar kurze Erläuterungen und Tips für Maßnahmen.

Der Abbau von Viren und Bakterien in Naturfreibädern erfolgt innerhalb des Beckenwassers durch Zooplankton(1), Konkurrenzdruck anderer Organismen, ggf. allelopathische Mechanismen (Abgabe wachstumshemmender Substanzen) und UV-Strahlung (IOB 2013). Außerhalb des Beckens erfolgt der Abbau über externe Filteranalgen(2).

Die genannten Mechanismen, die zum Abbau von Viren und Bakterien im Beckenwasser führen, können durch den Betreiber kurzfristig nur schwer beeinflusst werden. Langfristig jedoch hilft die Einrichtung/Neubepflanzung von Pflanzzonen in den Beckenrandbereichen/auf den Nassfilter Oberflächen. Hierdurch entstehen Wachstums- und Schutzräume fürs Zooplankton und es entsteht eine höhere Bio- Diversität, was zur Unterstützung von ökologischem Konkurrenzdruck und einer Förderung allelopathischer Mechanismen führt.

Der Abbau von Viren und Bakterien durch Filter kann effektiv durch eine Erhöhung der Umwälzleistun- gen verstärkt werden, da während jeder Filterpassage Keime eliminiert werden. Das Umweltbundesmi- nisterium fordert für die Filter in Naturfreibädern nach einer Filterpassage eine Reduktion der Indikator- parameter (E.coli, Enterokokken, Pseudomonas aeruginosa) um eine Logstufe (90%) (UBA 2003). Bei den Indikatorparametern handelt es sich um Bakterien. Die neuste Studie, die im Bezug auf Viren durchge- führt wurde, stammt von der Universität Alberta (Kanada). In den Modeluntersuchungen wurden im Bezug auf Noroviren mittlere Abbauleistungen eines Neptunfilters von 1,35 Logstufen gemessen. In einem Kombinationsfilter aus einer Hydrobotanik und einem Nassfilter lagen die Abbauleistungen sogar bei 2,35 Logstufen (Petterson 2019). Somit lag die Abbauleistung von Noroviren deutlich höher, als die vom Umweltbundesamt geforderte Abbauleistungen der Indikatorparameter von einer Logstufe. Betrachtet man die Tatsache, dass Coronaviren ca. 4 mal größer sind, als Noroviren und damit wahrscheinlich leichter im Filter zurückgehalten werden können, so zeigt sich, dass diese, sollten sie widererwartend im Wasser überleben können, mit hoher Wahrscheinlichkeit gut abgebaut werden können. Eine aktuell durchgeführte Risikoabschätzung für Noroviren ergab, dass eine Beckenumwälzleistung von zwei Umwälzungen pro Tag eingehalten werden sollte, um mögliche Noroviren im tolerierbaren Bereich zu halten (Bruns 2020). Präventiv könnte dieser Wert auch auf Coronaviren bezogen werden.

  1. Die Virenelimination durch das Zooplankton hängt im Wesentlichen von den vorliegenden Arten (unterschiedliche Zooplankter hab en unter- schiedliche Filtrationsleistungen) und der vorliegenden Menge ab. Die Menge wiederum hängen von den ökologischen Bedingungen ab (vorlie- gendes Nahrungsangebot, ökologisches Umfeld des Bades, Vorhandensein von Pflanzzonen als Rückzugsräume etc.). Es wird davon ausgegan- gen, dass das Zooplankton durch Filtration im Durchschnitt 4 % des Beckenwassers pro Tag filtriert und dabei Viren und Bakterien eliminiert (FLL 2011). Abhängig von den ökologischen Bedingungen kann die Filtrationsleistung auch über 80% des Beckenwassers/Tag liegen.
  2. Während die Eliminationsleistung des Zooplanktons abhängig von der ökologischen Situation auch mal geringer ausfallen kann, so sind in die Abbauleistungen der Bodenfilter deutlich höher und konstanter. Hier wird von Eliminationsleistungen von 90-99,9% ausgegangen (IOB 2013, BRUNS/PEPPLER 2019).

Auch wenn das Badewasser in Naturfreibädern nach aktuellem Wissensstand gut gegen alle Viren, inkl. der Coronaviren geschützt ist, so können zur Verbesserung der Abbauleistungen folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  1. Erweiterung und Intensivierung der Bepflanzung in den entsprechenden Bereichen (Hydrobotanik und Nassfilter)
  2. Prüfung der aktuellen Umwälzleistung / Tag und ggf. Erhöhung der Filterleistung auf zwei Beckenumwälzungen/Tag

Falls sie bei den Maßnahmen Unterstützung benötigen, können sie sich gerne bei uns melden. Wir wünschen Ihnen/Euch alles gute und beste Gesundheit.

Schönen Gruß, Hannes Kurzreuther

 

Polyplan-Kreikenbaum Gruppe GmbH
Ingenieure und Architekten für Technische Gebäudeausrüstungöffentliche Bäder, Landschaftsarchitektur und Umwelttechnik

Literatur:

Bruns S./Peppler C. (2019) Hygienic quality of public natural swimming pools (NSP), IWA Publishing, S.
365 ff

UBA (2003) Empfehlung des Umweltbundesamtes – hygienische Anforderungen an Kleinbadeteiche (künstliche Schwimm- und Badeteichanlagen), Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Ge- sundheitsschutz

Bruns S. (2020) Naturfreibad Borden Park in Edmonton (Kanada) – Projektvorstellung und Risikobewer- tung, Veröffentlichung voraussichtlich: Archiv des Badewesens, Mai 2020

FLL (2011) Richtlinien für Planung, Bau, Instandhaltung und Betrieb von Freibädern mit biologischer Wasseraufbereitung (Schwimm- und Badeteiche), Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Land- schaftsbau e.V. (FLL), Bonn

IOB (2013) Performance of Public Swimming Ponds -An Overview of Hygiene in Pools with Biological Wa- ter Purification, Internationale Organisation für naturnahe Badegewässer (IOB), Bremen

Petterson S. (2019) Assessing the enteric pathogen risk within Natural Swimming Pools – case Study: Borden Park, Edmonton, Canada, University of Alberta, School of Public Health, Presentation at the 10th international IOB Congress

UBA (2020) Stellungnahme des Umweltbundesamtes Coronavirus SARS-CoV-2 und Besuch in Schwimm- oder Badebecken beziehungsweise Schwimm- oder Badeteichen, Umweltbundesamt, Bad Elster

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